Der BPMS-Markt

25. September 2008

Es gibt unzählige Studien und Marktforschungsberichte über BPM-Software. Viele davon sind nicht ganz billig, und wer hat schon die Zeit dazu, all das verfügbare Material sorgsam durchzuarbeiten? Netterweise haben das einige fleißige Leute der Firma Oracle getan und eine 32-seitige Zusammenfassung zum „State of the Business Process Management Market 2008“ verfasst. Nun ist Oracle selbst Anbieter eines BPMS und verfolgt von daher sicherlich ein gewisses Eigeninteresse bei der Auswahl und Darstellung der gefundenen Informationen. Insgesamt ist es aber sehr sachlich geschrieben und durchaus lesenswert.

Wie es sich leider eingebürgert hat, wird der Begriff „Business Process Management“ (BPM) auch in diesem Paper mit dem Einsatz von Business Process Management-Systemen (BPMS) gleichgesetzt, also weitgehend auf die Technologien zur Unterstüzung des Prozessmanagements reduziert. Immerhin wird mehrfach herausgestellt, dass Prozessorientierung als „Business Discipline“ eine ganz grundlegende Voraussetzung für den erfolgreichen, nutzenbringenden Einsatz von BPMS darstellt.

Was haben die Autoren über den aktuellen Stand und die Entwicklung des BPMS-Marktes herausgefunden?

  • In mehreren Umfragen unter CIOs wurden BPMS als eine der derzeit wichtigsten Technologien und eine der höchsten Prioritäten genannt.
  • Der BPMS-Markt ist nicht ganz einfach von anderen Software-Kategorien abzugrenzen. Unabhängig von der konkreten Abgrenzung wird jedoch von den meisten Analysten übereinstimmend ein anhaltendes, extrem starkes Marktwachstum erwartet, von etwa 500 Millionen Dollar (2006) auf bis zu sechs Milliarden Dollar im Jahr 2011.
  • Es findet eine große Konsolidierungsbewegung statt. 2006 wurden etwa 150 Anbieter gezählt. Gartner erwartet, dass sich daraus bis Ende des Jahres 2008 ca. 25 führende Anbieter von BPM-Suiten herausbilden werden, die den Markt weitgehend unter sich aufteilen werden.
  • Hierunter werden sich vor allem die großen Anbieter wie IBM und Oracle finden, die – auch durch den Aufkauf kleinerer Softwarehäuser – sehr umfassende Lösungen anbieten können.
  • Den höchsten Return On Investment erwarten BPMS-Anwender davon, dass bisher weitgehend manuell abgewickelte Prozesse automatisiert und beschleunigt werden. Es folgen die Themen höhere Prozesstransparenz, gesteigerte Operational Excellence und verbesserte Kontrolle über die Prozesse.
  • Die Hauptprobleme bei der Einführung von BPM-Technologie lagen in der mangelnden Berücksichtigung organisatorischer Aspekte, internen politischen Querelen sowie unzureichende Schulung.
  • Nur ein geringer Teil der BPMS-Anwender (ca. 20-30%) setzt diese bislang zur Unterstützung unternehmensweiter Prozesse ein. Es dominiert der Einsatz innerhalb bestehender Abteilungsgrenzen.
  • Es sind zwar BPMS ohne den Einsatz von Service-orientierten Architekturen (SOA) möglich, doch gibt es in der Praxis eine enge Verknüpfung der beiden Themengebiete. Der SOA-Ansatz bietet einfachere Möglichkeiten zur Integration verschiedener Systeme und erleichtert die in immer kürzeren Abständen erforderliche Änderung von Prozessen.
  • Für die Entwicklung von BPMS&SOA-basierten Systemen hat sich ein hybrider Ansatz bewährt, bei dem gleichzeitig die Prozesse Top-Down entwickelt und gleichzeitig wiederverwendbare Services zur Unterstützung dieser Prozesse identifiziert und implementiert werden.
  • Standards wie BPEL und BPMN spielen eine wichtige Rolle. Es wird allerdings noch eine verbesserte Austauschbarkeit von Prozessmodellen und -definitionen benötigt, wie sie u. a. von der BPMN 2.0 erwartet wird.

Als wesentliche Komponenten, über die ein BPMS heute verfügen sollten, werden genannt:

  • Modellierungstool
  • Server-basierte Process Engine zur Prozessausführung
  • Browser-basierter Workspace als Oberfläche für die Prozessmitarbeiter
  • Intelligence Dashboards zur Überwachung und Auswertung der Prozesse
  • Simulations- und Optimierungsfunktionalitäten

Vielfach finden sich zusätzlich:

  • Business Rules Engines zur separaten Definition und Anwendung von Geschäftsregeln in den Prozessen
  • Content Management zur Verwaltung von Dokumenten und anderen schwach strukturierten Inhalten, die innerhalb der Prozesse erstellt und verwendet werden
  • Enterprise Service Bus (ESB) mit weitergehenden Integrationsmechanismen und Funktionalitäten, wie z. B. Datentransformationen
  • Branchen- oder anwendungsspezifische Frameworks, d. h. vordefinierte Standardprozesse, die direkt verwendet oder als Ausgangspunkt für die erleichterte Entwicklung eigener Prozesse genutzt werden können.

Im nächsten Beitrag wird es darum gehen, welche Weiterentwicklungen im Bereich BPMS erwartet werden.

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