BPM-Suites auf den Zahn gefühlt

12. Dezember 2013

BPMS-Studie CoverDie Macher der vorliegenden Studie beschränkten sich nicht darauf, Feature-Listen zu vergleichen. Sie untersuchten die BPM-Systeme anhand eines konkreten Beispielszenarios. Die Anbieter mussten einen vorgegebenen Prozess umsetzen und diesen in einem Workshop vorführen. Zu den Aufgaben gehörte es beispielsweise auch, Änderungen zur Laufzeit durchzuführen.

Auf diese Weise konnten sich die Studien-Autoren vom Fraunhofer IESE und der Firma SP Consulting ein recht konkretes Bild von der Mächtigkeit und der Handhabung der betrachteten Systeme machen. Bewertet wurden u. a. die Modellierung, die Umsetzung, die Ausführung, die Administration und das Controlling der Prozesse, aber auch das Laufzeitmanagement und die BPM Governance.

Die Studie enthält detaillierte Bewertungen für acht BPMS. Vertreten sind die Systeme der Hersteller Adobe, Axon Active/Soreco, Bizagi, Bosch SI, Camunda, Prologics, SAP und Vitria. Das sehr erfreuliches Ergebnis: Unter den Teilnehmern gibt es kein schlechtes BPMS. Die Mächtigkeit der Werkzeuge wurde durchwegs als hoch oder sehr hoch eingestuft. Einiges Verbesserungspotenzial gibt es noch in den Bereichen Prozesscontrolling und Laufzeitmanagement. Beim Laufzeitmanagement ging es um Einzelkriterien wie Aufgabendelegation, Aufgabenmanagement, externe Eingriffe und Sonderfallbehandlung für laufende Prozessinstanzen.

Beim Komfort der Lösungen gibt es noch etwas Luft nach oben. Hier erreichte kein BPMS den Bereich „sehr hoch“. Viele Aufgabenstellungen konnten zwar gelöst werden, doch war es nach Ansicht der Bewerter oftmals unnötig kompliziert.

Den höchsten Gesamterfüllungsgrad erreichte die Suite von Bizagi, gefolgt von Axon Active/Soreco. Den dritten Rang teilen sich Prologics und Bosch SI. Damit wird jedoch keine konkrete Auswahlempfehlung getroffen, denn zum einen sind die Unterschiede der meisten betrachteten Systeme nicht sehr groß, zum anderen unterscheiden sich die Systeme hinsichtlich ihres Schwerpunktes. So ist die Lösung von Adobe z. B. besonders gut geeignet, wenn in einem Prozess viele pdf-Dokumente verarbeitet und erzeugt werden sollen. Vitria punktet mit besonderen Fähigkeiten im Bereich Complex Event Management. Und das BPM-System von Camunda bietet mit seinem „Less Coding“-Ansatz vor allem die Möglichkeit der engen Integration mit verschiedensten Komponenten aus dem Java-Umfeld. Die Stärken von SAP sind BPM Governance, Regelmanagement und die Integration mit anderen SAP-Komponenten.

Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass es eine ganze Reihe von Kriterien gibt, die im Rahmen der Studie nicht im Praxiseinsatz getestet werden konnten, wie z. B. die Skalierbarkeit oder die Performance der Systeme.

Sehr verwunderlich ist es, dass von insgesamt 55 angeschriebenen, in Deutschland vertretenen BPMS-Anbietern ein Großteil noch nicht einmal auf die Einladung zu der Studie geantwortet hat. Die Studie soll aber im kommenden Jahr wiederholt werden. Vielleicht nehmen dann ja mehr Anbieter die Gelegenheit wahr, zu zeigen, was sie können.

Zum Download der Studie (pdf, 77 S.)

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