BPM-Systeme werden zu Low Code Entwicklungs-Plattformen

23. Mai 2016

Nachdem sich das „Zero Code“-Versprechen so manchen Herstellers als unrealistisch herausgestellt hat, stößt man in letzter Zeit vermehrt auf den Begriff „Low Code“. Damit werden Plattformen charakterisiert, die die Softwareentwicklung durch geeignete Tools wesentlich vereinfachen sollen. Vierzehn solcher Plattformen wurden jüngst vom Markforschungsinstitut Forrester evaluiert. Darunter findet sich auch eine ganze Reihe von BPM-System, wie Appian, AgilePoint, Bizagi, K2 und Nintex. Mit ihren grafischen Modellierungsumgebungen für die Ablaufsteuerung, Formulareditoren und Datenbank-Konnektoren bringen diese Systeme bereits eine ganze Reihe von Features mit, die den erforderlichen Anteil herkömmlicher Programmierung deutlich reduzieren.

Forrester definiert Low Code-Plattformen als Systeme zur schnellen Auslieferung von Geschäftsanwendungen mit einem Minimum an händischer Programmierung und geringen Anfangsinvestitionen in Setup, Training und Deployment. Viele Firmen sind heute darauf angewiesen, auch große, komplexe und zuverlässige Lösungen innerhalb von Tagen und Wochen anstatt Monaten zu entwickeln. Low Code-Plattformen sollen dies ermöglichen.

Der Markt ist momentan recht breit und zersplittert. Forrester unterscheidet je nach Schwerpunkt der Systems zwischen „Data Base Application Platforms“, „Request Handling Platforms“, „Mobile First Application Platforms“ und „Process Application Platforms“, worunter die bereits erwähnten BPM-Systeme fallen. Dabei ist die Tendenz zu erkennen, dass die Hersteller den Funktionsumfang ihrer Systeme in Richtung „General Purpose Plattforms“ erweitern, mit denen ganz unterschiedliche Typen von Unternehmensanwendungen entwickelt werden können.

Als wichtigste Features nennen die Forrester-Analysten:

  • Die grafische Konfiguration virtueller Datenmodelle und die Integration von Datenquellen per Drag & Drop
  • Deklarative Werkzeuge zur Definition von Geschäftslogik und Workflows mit Hilfe von Prozessmodellen, Entscheidungstabellen und Geschäftsregeln
  • Der Aufbau responsiver User Interfaces per Drag & Drop mit automatischer Generierung von Oberflächen für verschiedene Endgeräte
  • Tools für das Management von Entwicklung, Testen und Deployment

Speziellen Wert legt die Studie außerdem auf die Unterstützung des Cloud-Deployment und mobiler App-Stores. Anbieter sollten hierfür auch über Zertifikate zur Cloud-Sicherheit verfügen. Nicht zuletzt werden Hersteller positiv bewertet, die ein Freemium-Modell mit einer kostenlosen Version und Tutorials anbieten, wodurch ein Einstieg ohne aufwändige Schulungen und hohe Anfangsinvestitionen ermöglicht wird.


The Forrester Wave™: Low-Code Development Platforms, Q2 2016
Download der Studie auf der Appian-Seite (Registrierung erforderlich)

Kategorie: BPMS Ein Kommentar »

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Eine Reaktion zu “BPM-Systeme werden zu Low Code Entwicklungs-Plattformen”

  1. AuraPortal zeigt, was im BPM ohne Codierung möglich ist - Kurze Prozesse

    […] In der Vergangenheit haben sich viele BPMS-Anbieter mit Zero-Coding-Versprechen weit aus dem Fenster gelehnt. Außer bei sehr kleinen Demonstrationsprozessen konnten Sie diese aber häufig nicht einhalten. Daher wird es heute meist als unrealistisch angesehen, ernsthafte Prozessanwendungen zu realisieren ohne zumindest an der einen oder anderen Stelle Programmcode schreiben zu müssen. Und so vermarkten einige BPMS-Hersteller ihre Produkte mittlerweile nicht mehr als „Zero Code“-, sondern als „Low Code“-Plattformen (vgl. hierzu den Report von Forrester). […]





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