Buch zum Innovationsprozessmanagement

9. April 2009

Cover Innovationsprozessmanagement

Nur jedes 16. Innovationsprojekt in Deutschland führt zu einem Markterfolg. Grund genug für Unternehmen, sich Gedanken über einen effektiven, systematischen Innovationsprozess zu machen. Stefan Becker entwickelte in seiner Dissertation ein Referenzmodell für das Innovationsprozessmanagement. Hierzu führt er zunächst in die relevanten Grundlagen der Innovation und der Referenzmodellierung ein, um anschließend verschiedene Theorien zu untersuchen und daraus Anforderungen an ein solches Referenzmodell abzuleiten. Für die Praxis interessanter dürfte der anschließende Überblick über verschiedene existierende Phasenmodelle des Innovationsprozesses sein.

Nach Ansicht Beckers sollte man jedoch kein festes Phasenmodell zur Gestaltung des eigenen Innovationsprozesses verwenden, da dies zu starr sei. Deswegen ist sein Referenzmodell „Innovations-i“ als Rahmenwerk angelegt, das u. a. vielfältige Rücksprungmöglichkeiten und die situationsabhängige Auswahl von Methoden vorsieht. Das Innovations-i enthält eine Reihe von Methoden und Vorgehensweisen zur Ideengewinnung (z. B. Kreativitätstechniken), zur Ideenakzeptierung (z. B. Ideenbewertung und -auswahl) und zur Ideenrealisierung (z. B. Technisches Konzept, Rechtsschutzprüfung). Das betriebliche Vorschlagswesen kann in all diesen Bereichen eine Rolle spielen. Die genannten Aspekte betreffen verschiedene Dimensionen: Neben dem jeweils betrachteten Innovationsprojekt im eigenen Unternehmen sind dies Kooperationspartner, Kunden und Lieferanten sowie andere Innovationsprojekte. Das „Tüpfelchen auf dem Innovations-i“ bilden die Einrichtung einer Innovationsleitstelle und das Innovationscontrolling.

Der entwickelte Rahmen wird nun mit Hilfe von Prozessmodellen in EPK-Notation detailliert. Hierzu wird zunächst eine Gesamt-EPK entwickelt, die die Aktivitäten des Innovations-i in ihrem möglichen Ablauf enthält. Für jede Aktivität dieser Gesamt-EPK wird eine Detail-EPK vorgestellt. Komplexere Aktivitäten werden noch weiter verfeinert, z. T. gibt es auch noch eine EPK auf der vierten Ebene. Die EPKs werden im Text ausführlich erläutert. Schließlich wird noch erläutert, wie das Referenzmodell in einem konkreten Unternehmen angewandt und an dessen individuelle Situation angepasst werden kann.

Der bei einer Dissertation zwangsläufig enthaltene Theorie-Anteil wird für den Leser, der sich mit der konkreten Gestaltung des Innovationsprozesses befasst, weniger interessant sein. Das Referenzmodell selbst mit den einzelnen Prozessmodellen ist hingegen eine wertvolle Quelle für die wichtigsten Aspekte der Erstellung von Innovationen. Damit stellt es eine sehr nützliche Vorlage für die Gestaltung oder Veränderung konkreter Innovationsprozesse in der Praxis dar.  Die Zahl der einbezogenen Quellen ist sehr groß, so dass die Inhalte des Referenzmodells die Breite des Themas recht vollständig abdecken dürften.


Becker, S:
Innovationsprozessmanagement. Ein fachkonzeptionelles Referenzmodell.
Shaker, Aachen 2008.
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