Praxisorientiertes Buch zur durchgängigen Modellierung von EA, BPM und SOA

19. Januar 2010

Cover EA, BPM, SOA

Es gibt viele Veröffentlichungen über Modellierung, und auch über die Umsetzung von Modellen in Informationssysteme. Strebt man jedoch ein wirklich durchgängiges Konzept zur ganzheitlichen Modellierung des Unternehmens und zur klassischen sowie zur SOA-basierten Systementwicklung  an, so ist man schnell auf sich selbst gestellt. Das Buch Enterprise Architecture, BPM und SOA für Business Analysten bildet eine positive Ausnahme. Die Autoren, allesamt Manager und Berater bei Opitz Consulting, beschreiben sehr genau und praxisorientiert, wie modellgestütztes Enterprise Architecture Management und Software-Entwicklung funktionieren können. Besonders nützlich sind zahlreiche Tipps und Ratschläge, die offensichtlich in vielen Praxisprojekten gewonnen wurden. So werden etwa die Fragen beantwortet, wieviele Modellierungsebenen sinnvoll sind, wie man Prozesse voneinander abgrenzen kann, wieviele Aktivitäten ein Modell einer bestimmten Ebene enthalten sollte, und viele mehr. Zwar muss man diese Richtlinien für sein eigenes Unternehmen nicht unverändert übernehmen, doch können die verwendeten Kriterien und Erfahrungswerte zur Orientierung und Anregung verwendet werden.

Übertragbarkeit auf andere Methoden und Tools

Möglicherweise wird mancher Interessierte vom Kauf abgehalten, weil auf dem Titel vermerkt ist, dass die Umsetzung am Beispiel der ARIS-Methode und der Oracle BPA Suite (weitgehend identisch mit dem ARIS Business Architect von IDS Scheer/Software AG) erläutert wird. Das Buch kann jedoch uneingeschränkt auch für alle Prozessmanager und IT-Experten empfohlen werden, die weder mit Oracle-Produkten noch mit ARIS arbeiten. Die Vorgehensweise und Hinweise zur Strukturierung lassen sich auf andere Methoden und Tools übertragen. Freilich gibt es einige Hinweise, die sich auf spezielle Funktionen der verwendeten Tools verwenden. Diese kann man einerseits überblättern. Andererseits wird auch gezeigt, wie man mit bestehenden Defiziten der verwendeten Tools umgeht, wenn z. B. die vorhandenen Methoden benötigte Sachverhalte nicht direkt darstellen können. Da es selten ein Tool geben wird, das alle Anforderungen perfekt realisiert hat, werden viele Modellierer vor ähnlichen Fragestellungen stehen.

Die Inhalte des Buchs werden anhand eines Beispiels der Wareneingangskontrolle illustriert. Zunächst werden die Anforderungen an die Modellierung der verschiedenen Bereiche Enterprise Architecture (EA), Business Process Management (BPM) und Service-orientierte Architekturen (SOA) vorgestellt. Unter Enterprise Architecture (EA) wird im Gegensatz zu manchen eher auf die IT-Landschaft bezogenen EA-Definitionen eine Gesamtsicht auf die Organisation verstanden. Die drei verschiedenen Bereiche überschneiden sich stark. Es wird daher eine integrierte Modellierung vorgeschlagen, die verschiedene Sichten sowie vertikale und horizontale Segmentierungen der erstelltem Modelle umfasst. Es wird erläutert, wie man ein für seine eigenen Zwecke geeignetes Metamodell entwirft, d. h. seine eigene Modellierungsmethodik entwickelt. Es lässt sich sicherlich darüber streiten, ob die vorgeschlagene Tool-unabhängige Entwicklung sinnvoll ist, wenn man anschließend ein Tool verwendet, das sowieso vordefinierte Methoden enthält. Andererseits sollte man sich im Vorfeld bewusst machen, welche Anforderungen an die Modellierung tatsächlich existieren. Das folgende Kapitel schildert dann am Beispiel des ARIS-Ablegers Oracle BPA Suite, wie die eigene Methodik mit diesem Tool umgesetzt werden kann. Hierbei würde sich auch herausstellen, wenn das Tool gar nicht für die gewünschte Methodik geeignet wäre. Insofern wäre es nützlich, seine individuelle Methodik bereits im Vorfeld der Toolauswahl zu entwickeln.

Vier bis fünf Ebenen für die fachliche Modellierung

Als Kriterium für die vertikale Untergliederung wird die sogenannte Instanzgranularität verwendet. Hierzu wird als Instanz ein typischer Ablauf mit klarem Beginn und Ende identifiziert. Für die fachliche Modellierung werden insgesamt vier bis fünf Ebenen vorgeschlagen. Zugleich werden Richtwerte für eine geeignete Zahl von Prozessen für die jeweilige Ebene genannt. Weiterhin werden das Organisationsmodell, eine Geschäftsobjektbibliothek und die Anwendungssytemlandschaft erstellt. Es wird erläutert, wie eine prozessorientierte Aufbauorganisation aus dem Prozessmodell abgeleitet wird.

Für die Entwicklung von Informationssystemen zur Unterstützung der modellierten Prozesse wird einerseits die modellgestützte Erstellung eines Fachkonzepts beschrieben, andererseits wird die Umsetzung in eine SOA gezeigt. Hierzu müssen Services identifiziert und beschrieben sowie ausführbare Prozesse modelliert werden. Zu diesem Zweck werden weitere Modellebenen für fachliche IT-Modelle sowie ausführbare Modelle eingeführt, und es werden die Zusammenhänge zwischen diesen Ebenen erläutert.

Ein abschließendes Kapitel stellt den Entwurf und den Aufbau prozessgetriebener Kennzahlensysteme vor. Nach einer Einführung in dieses Thema wird die Modellierung der Kennzahlen sowie der Prozesse und Systeme für das Process Controlling dargestellt.


Stähler, D.; Meier, I.; Scheuch, R.; Schmülling, C.; Somssich, D.:
Enterprise Architecture, BPM und SOA für Business Analysten. Leitfaden für die Praxis
Hanser, München 2009.
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Kategorie: BPM, BPMS, Modellierung Kommentieren »

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