BPM und Six Sigma – gemeinsam stärker

19. August 2009

Auch die Fachhochschule Koblenz hat eine neue Studie herausgebracht. Unter der Leitung der Professoren Leyendecker und Komus wurden Gemeinsamkeiten bzgl. der Nutzung von Business Process Management (BPM) und Six Sigma in Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum untersucht. Besonderes Augenmerk wurde auf die kombinierte Anwendung der beiden Methoden gelegt. Von den 352 Unternehmen betreiben knapp zwei Drittel BPM und etwa ein Drittel Six Sigma. 78 Unternehmen wenden beide Ansätze an. In vielen Fällen werden sie unabhängig voneinander eingesetzt, doch über die Hälfte der 78 setzen auf eine Kombination von BPM und Six Sigma. Das sind knapp 12% aller befragten Unternehmen.

Einige interessante Ergebnisse:

  •  Sowohl Six Sigma als auch BPM sind am häufigsten im Bereich Qualitätssicherung angesiedelt, BPM aber auch oft in einer eigenen Stabsabteilung.
  • Die Entscheidungsträger für Six Sigma sind in 40% aller Fälle in der obersten Führungsebene angesiedelt, bei BPM ist dies gar bei 51% der Fall.
  • Sowohl für Six Sigma als auch für BPM wurde als wichtigster Erfolgsfaktor die Top Management-Unterstützung genannt. Bei BPM wird dies gefolgt von der Verknüpfung mit den strategischen Unternehmenszielen und der Messbarkeit der Ergebnisse. Im Falle von Six Sigma steht die Messbarkeit bereits an zweiter Stelle, gefolgt von der Bereitstellung der geeigneten Ressourcen.
  • Der kombinierte BPM-/Six Sigma-Einsatz findet sich vor allem in großen Unternehmen.
  • Die Unternehmen, die ihre BPM- und Six Sigma-Inititativen kombiniert haben, gaben zu 34% an, dass sie einzelne Werkzeuge von Six Sigma verwenden um BPM zu unterstützen. 24% setzen beide Ansätze gleichberechtigt ein. Der Anteil der Unternehmen, die einzelne BPM-Werkzeuge zur Unterstützung von Six Sigma einsetzen, ist mit 15% deutlich geringer. BPM wird also häufig als umfassender Managementansatz gesehen, für den Six Sigma z. T. nützliche Hilfsmittel bereitstellt.
  • Die kombinierte BPM/Six Sigma-Anwendung führt oftmals zu aufbauorganisatorischen Veränderungen, vorrangig zur Bildung abteilungsübergreifender Teams und zur Umbildung bestehender Stellen.
  • Die überwiegende Mehrheit gab an, dass sich durch den Einsatz von BPM bzw. Six Sigma praktisch alle wichtigen Performance-Indikatoren, wie Prozesskosten, Durchlaufzeit, Ergebnisqualität der Prozessleistung usw., verbessert haben. Auswirkungen auf die Umsatzrendite hat nur ein Teil der Unternehmen untersucht, wobei auch hier der Anteil der Verbesserungen mit 19% höher lag als der der Verschlechterungen (3%) oder einer unveränderten Umsatzrendite (12%). Eine Kombination von BPM und Six Sigma führt bei den Performance-Indikatoren zu stärkeren Verbesserungen als wenn nur eine der beiden Methoden genutzt wurde.
  • Unternehmen, die weder Six Sigma noch BPM anwenden, haben im Durchschnitt eine niedrigere Umsatzrendite als solche, die eine oder beide Maßnahmen anbieten. Solche Unternehmen, die beide Ansätze kombinieren, sind wiederum erfolgreicher (bzgl. ihrere Umsatzrendite) als solche, die nur eine der beiden Methoden anwenden.

Eine gekürzte Fassung der Studie kann unter http://tiny.cc/bpm6sigma heruntergeladen werden, die komplette Fassung erhält man auf Anfrage zugemailt.

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Eine Reaktion zu “BPM und Six Sigma – gemeinsam stärker”

  1. Pragmatische Ansätze sind Best Practice im BPM - Kurze Prozesse

    […] Zwei abschließende Beiträge befassen sich zum einen mit einer Studie über BPM und Six Sigma, die hier bereits einmal erwähnt wurde, zum anderen mit BPM-Technologie und der Vision eines BPM-Roundtrips. […]


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