Prozessmodelle – Generieren statt modellieren

3. Dezember 2007

Überwachung im GrobmodellDie Erstellung von Geschäftsprozessmodellen ist ein mühsames Geschäft. Insbesondere dann, wenn es um eine sehr detaillierte Modellierung geht. Aus fachlicher Sicht und für ein grundlegendes Prozessverständnis genügt ja oftmals eine relativ grobe Darstellung der prinzipiellen Prozessschritte, wie sie im Normalfall ablaufen. Details und die Behandlung von Sonderfällen, Stornierungen, nachträgliche Änderungen usw. lenken unter Umständen eher ab und erschweren das Verständnis. Andererseits sind auch detaillierte Darstellungen notwendig, beispielsweise als genaue Arbeitsvorgabe, für eine detaillierte Analyse oder Simulation. Ganz besonders wichtig wird eine sehr genaue und detaillierte Beschreibung, wenn das Prozessmodell von einem Workflow- oder Business Process Management-System (BPMS) ausgeführt werden soll, denn solche Systeme sind einfach darauf angewiesen, dass sich der Mitarbeiter, der eine Aktivität durchführen soll, genau ermitteln lässt, oder dass exakt angegeben wird, wie die von einer Anwendung übergebenen Daten in das unterschiedliche Datenformat der als nächstes aufgerufenen Anwendung transformiert werden können.

Die Erstellung derartiger Detailmodelle ist aber nicht nur aufwändig, sondern auch recht fehlerträchtig. Arbeiten mehrere Modellierer an den Prozessmodellen in einem Unternehmen, so kommt es beispielsweise häufig vor, dass vergleichbare Sachverhalte ganz unterschiedlich dargestellt werden. Beim Übergang zu ausführbaren Modellen kommt hinzu, dass die verwendeten BPMS meist eigene Modellierungsumgebungen und spezifische Notationen nutzen, oder verwendete Standardnotationen individuell erweitern. Sollen sich die BPMS-unterstützten Prozesse konsistent in das unternehmensweite Prozessmodell einfügen, so muss ein geeigneter Übergang von Geschäftsprozessmodellierungstool und –Notation (z. B. Ereignisgesteuerte Prozessketten, EPK) zum BPMS und der dort verwendeten Beschreibung (z. B. BPEL) erfolgen.

Hierfür werden z. T. Schnittstellen angeboten, die auch EPKs geeignet konvertieren. Allerdings handelt es sich zumeist um eine eins-zu-eins-Umsetzung der Inhalte. Dies bedeutet, dass sämtliche vom BPMS benötigte Details bereits in der EPK modelliert werden müssen, damit hinterher ein ausführbares Modell entsteht. Das ist nicht unbedingt sinnvoll, da hier die EPK zumeist mit ausführungs-spezifischen Konstrukten und Anpassungen überfrachtet wird, und ein allgemeines Prozessmodellierungstool auch keine spezifische Hilfe für die Modellierung anbietet, wie z. B. ein direktes Testen der Ausführbarkeit der erstellten Modelle.

Modellierung der Überwachung im DetailVielleicht kann die folgende Idee nützlich sein, die wir an der Fachhochschule Kaiserslautern momentan untersuchen. Anstatt sämtliche Details immer modellieren zu müssen, wäre es angenehm, Detailmodelle automatisch aus grobgranularen Modellen generieren zu können. Hierzu werden Vorlagen für typische, immer wiederkehrende Muster in Prozessmodellen erstellt. Solch ein Muster könnte etwa eine „Überwachung“ sein. Häufig kommt es vor, dass die Reaktion auf eine versandte Anfrage, Bestellung usw. überwacht werden muss. Bei ausbleibender Reaktion muss in gewissen Abständen nachgehakt werden – solange, bis die Reaktion eintrifft, oder eine Maximalzeit überschritten ist. Überall wo eine derartige Überwachung erforderlich ist, könnte das Überwachungs-Muster eingesetzt werden. Hierzu müsste im Überblicksmodell nur eine Überwachungsfunktion modelliert werden. Hinzu kommen Angaben, wie oft und nach welcher Zeit nachgehakt werden soll. Auf dieser Grundlage könnte ein Generator eine vorher erstelle Modellvorlage für dieses Muster anpassen und in das Detailmodell des betreffenden Prozesses einfügen.

Auch beim Übergang von der fachlichen Modellierung zu ausführbaren Modellen könnte dieses Vorgehen nützlich sein. So könnte man etwa ein Muster definieren, mit dessen Hilfe sich die Durchführung einer Entscheidung in ein BPMS abbilden lässt. Im fachlichen Modell muss nur eine Entscheidungsfunktion mit ein paar Grundlegenden Angaben modelliert werden. Die erforderlichen technischen Details stecken wiederum in einer Modellvorlage, diesmal in der vom BPMS verwendeten Notation. Hierdurch würde der Weg vom fachlichen zum ausführbaren Modell wesentlich leichter – und die vielfach beklagte Kluft zwischen Fachexperten und IT-Spezialisten ein bisschen kleiner.

Genauer wird die beschriebene Vorgehensweise in einem Paper erläutert, das im Tagungsband des Workshops „EPK 2007“ erschienen ist.

Literatur:

Allweyer, Thomas: Erzeugung detaillierter und ausführbarer Geschäftsprozessmodelle durch Modell-zu-Modell-Transformationen.
In:
Nüttgens, M.; Rump, F. J.; Gadatsch, A. (Hrsg.): EPK 2007. Geschäftsprozessmanagement mit Ereignisgesteuerten Prozessketten. St. Augustin 2007, S. 23-38.

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