Buch über Business Process Management-Systeme

24. März 2010

Auch wenn der Autor sein Buch mit einem „holistischen Business Process Management-Ansatz“ eröffnet, so liegt der Schwerpunkt dennoch ganz klar auf Seiten der Technologie. Mit Hilfe eines integrierten BPM/SOA-Ansatzes versucht er inbesondere die Lücke zwischen fachlichen Modellen und Implementierung zu schließen. Sein Prinzip lautet „what you model is what you execute“. Hierfür setzt er die verschiedenen Technologien – wie BPMS, Business Intelligence, SOA, Business Rules Management und viele mehr – miteinander in Beziehung und skizziert ihr Zusammenspiel. Ein wesentliches Ziel ist es, eine möglichst hohe Flexibilität des Gesamtsystems zu erreichen und somit Innovationen zu ermöglichen.

Samarin entwickelt eine mögliche Architektur eines derartigen BPM/SOA-basierten Systems und gibt eine Reihe von praxisorientierten Empfehlungen zum Aufbau eines entsprechenden Systems. Hierzu gehört etwa der Umgang mit Drittprodukten. Diese sollen möglichst nicht modifiziert und in Form von als unveränderlich betrachteten Services genutzt werden. Weitere Ratschläge betreffen etwa die die horizontale und vertikale Koordination und die zu vermeidende Verteilung von Geschäftslogik über verschiedene Komponenten.

Anhand eines einfachen Reiseantragsprozesses werden die verschiedenen zu definierenden und zu modellierenden Aspekte erläutert. Neben den Prozessen gehören hierzu u. a. Ereignisse, Rollen, Geschäftsbojekte, Services, Regeln, Kennzahlen und Benutzeraktivitäten. Für die Prozessmodellierung wird BPMN eingesetzt. Der Autor empfiehlt einige Modellierungsrichtlinien, z. B. die Verwendung von Farben zur Kennzeichnung verschiedener Aktivitätstypen. Ähnlich wie zur Muehlen verwendet auch Samarin Prozessmuster (Patterns), wobei die verwendeten Muster nicht nur Empfehlungen zur Modellierung bestimmter Sachverhalte, sondern auch Ratschläge zur geeigneten Strukturierung der Prozess selbst darstellen. Beispiele sind etwa das „Double Check“ Muster mit zwei unabhängige Prüfungen eines Dokuments oder das Muster „Service Level Reinforcement“, mit dem die Einhaltung definierter Service Levels in einem Prozess sichergestellt werden soll.

Die Modellierung beginnt mit der Definition grober Prozessbausteine, die anschließend im Detail strukturiert, dann formalisiert und schließlich für eine Automatisierung instrumentiert, d. h. mit den notwendingen technischen Details versehen werden. Für die verschiedenen Typen von Artefakten werden Designrichtlinien vorgestellt. So z. B. für die Versionierung aller Artefakte oder geeignete Bezeichnungen und Strukturierungen von Datenstrukturen mittels XML Schema und von WSDL-Web Service-Beschreibungen. Weitere Empfehlungen betreffen beispielsweise den Umgang mit auftretenden Fehlern, die Nachverfolgbarkeit der Entstehung und der resultierenden Abhängigkeiten aller Artefakte, oder die Lebenszyklen verschiedener Arten von Dokumenten. Anhand zweier Beispiele wird grob dargestellt, wie die verschiedenen beschriebenen Aspekte in konkreten Fällen zusammenspielen können. Zum Abschluss wird diskutiert, wie der BPM-Ansatz generell die Unternehmens-IT verbessern kann und wie existierende Enterprise Architecture-Initativen sich stärker in Richtung Business bewegen können.

Der vorgestellte Prozessmanagement-Ansatz ist sicherlich etwas zu einseitig auf den Technologie-Einsatz ausgerichtet. Auch wird es schwierig sein, die vorgestellten Konzepte mit heute erhältlichen Produkten als integrierten Ansatz zu realisieren. Das konkrete Zusammenspiel mancher Komponenten wird auch im Buch selbst nur grob angerissen. So existiert etwa kein durchgängiger Modellierungsansatz um all die beschriebenen Artefakte mit ihren Abhängigkeiten zu modellieren und nahtlos in die Ausführung zu bringen. Das Motto „what you model is what you execute“ lässt sich somit selbst unter optimistischen Annahmen nur für einzelne Aspekte, wie z. B. die Kontrollflusslogik, wirklich realisieren. Samarin selbst beschreibt seine Wunschvorstellung eines idealen Prozessentwicklungswerkzeugs, wie es heute leider nicht verfügbar ist.

Trotz dieser offenen Fragen sind viele für die Praxis relevante Empfehlungen und Ratschläge enthalten. Samarin wird hier vielfach wesentlich konkreter als vergleichbare Publikationen, teilweise vertritt er auch vom Mainstream abweichende Meinungen. Wer konkret damit befasst ist, SOA/BPM-basierte Systeme zu entwickeln, wird sicherlich eine Reihe der Tipps aus dem Buch nutzen können.

Weitere Informationen zu den Themen des Buches finden sich auf der Webseite www.improving-bpm-systems.com


Samarin, A:
Improving Business Process Management Systems
Trafford Publishing 2009
Das Buch bei amazon.

Kategorie: Allgemein, BPM, BPMN, BPMS Kommentare deaktiviert für Buch über Business Process Management-Systeme

Vorheriger Beitrag: Pro und Contra BPMN – bitte keine Ideologie!
Nächster Beitrag: Will die OMG keine Business-Modellierer?

Kommentarfunktion ist deaktiviert.