Experten zum Thema BPMN (Teil 2)

13. Mai 2008

Und hier folgen nun die weiteren Teilnehmer unseres Spiels zur Fehlersuche in einem BPMN-Diagramm, die es in die „Hall of Famous Modelers“ geschafft haben:

Klaus Friemelt

Foto Klaus FriemeltIch bin Dozent an der FHS St.Gallen im Bereich Requirements Engineering und Prozessmanagement. Vorher war ich in der Industrie in Consulting Unternehmen zum Prozessmanagement und Anwendungsentwicklung wie auch in einer Schweizer Grossbank tätig.

Wofür setzen Sie die BPMN hauptsächlich ein?
Wird im Rahmen der Lehre eingesetzt um den Studierenden diese neue Methode aufzuzeigen.

Für welche Anwendungszwecke eignet sie sich gut, für welche weniger?
Für Darstellung auf dem Level Workflowmodellierung ist BPMN sicher gut geeignet. Als Mittel für eine Kommunikation mit der Fachabteilung sehe ich das weniger. Hier ist in meinen Augen die EPK immer noch die bessere Wahl. Ebenso fehlt der ganzheitliche Ansatz zur Unternehmensbeschreibung wie sie beispielsweise ein ARIS bietet. Vielleicht gehen die Bestrebungen der OMG einmal in diese Richtung, die UML und BPMN besser zu integrieren.

Was gefällt Ihnen besonders gut an der BPMN?
Die Events wie Timer, Exception

Was missfällt oder fehlt Ihnen bei der BPMN?
Rollen mit Swimlane Konzept wird sehr schnell unübersichtlich. Keine Integration der Datensicht. Häufig keine klaren Regelungen wie etwas modelliert werden muss (siehe Beispiel Unterprozess mit mehreren Ausgängen wo nicht festgelegt ist ob dies im übergeordneten Prozess reflektiert werden muss)

Welches(s) Tool(s) setzen Sie bei der BPMN-Modellierung ein?
ADONIS und MS VISIO

Wie kann man die BPMN am besten erlernen?
Besuch meiner Vorlesung 🙂 oder Selbststudium via Ressourcen im Internet. Dieses setzt aber sicher schon ein gewisses Mass an Know How im Bereich Geschäftsprozess- und Workflowmanagement voraus.

Haben Sie eine Website oder einen Blog?
Institutswebseite: www.fhsg.ch/ipm

Jakob Freund

Foto Jakob FreundAls Wirtschaftsinformatiker beschäftige ich mich seit Jahren mit der Verknüpfung der Business- und IT-Perspektiven von BPM. Vor diesem Hintergrund konnte ich sowohl Erfahrungen in der Erhebung und Dokumentation fachlicher Geschäftsprozesse sammeln, als auch in der Projektrealisierung von Prozessportalen und Service Orchestration Workflows. Innerhalb der camunda bin ich für die Themen „Prozessautomatisierung aus der Business-Perspektive“, „BPMN“ und „BPM-Software“ verantwortlich.

Wofür setzen Sie die BPMN hauptsächlich ein?
– Kommunikationsgrundlage zwischen Business und IT im Rahmen des Requirements Engineering
– In Planung: Repräsentation für einen „Process Configuration Layer“

Für welche Anwendungszwecke eignet sie sich gut, für welche weniger?
– Siehe oben
– Außerdem: JA, die BPMN eignet sich sehr wohl für eine fachliche Prozessdokumentation – auch wenn sie natürlich Schulungsaufwand impliziert
– Falsch: BPMN ist NICHT dafür geeignet, Prozesse komplett durch die Fachseite modellieren zu lassen, um sie dann „direkt“ in Engines ausführen zu lassen. Das ist einfach Quatsch.

Was gefällt Ihnen besonders gut an der BPMN?
Die Präzision der Notation in Verbindung mit der Tatsache, dass es ein Standard ist. Und Drittens die für eine derart präzise Notation wirklich nette Optik 😉

Was missfällt oder fehlt Ihnen bei der BPMN?
Oh, da fehlt noch vieles. Aber ich denke zuerst mal ein ordentliches Metamodell. Und in diesem Zusammenhang eine weitere Präzisierung von für die Automatisierung wichtigen Sachverhalten, die über den reinen Kontrollfluss hinausgehen. Außerdem vermisse ich wirklich sinnvolle, praxisnahe Beispiele mit (Anti-)Pattern. Das sollte mal durch die OMG bereit gestellt werden. BPMN bietet viel Interpretationsspielraum.

Welches(s) Tool(s) setzen Sie bei der BPMN-Modellierung ein?
Zur Zeit einfach die Visio Stencils von Gero Decker vom HPI 😉 Ansonsten habe ich mir erst kürzlich BizAgi mal angesehen, das ist gar nicht so uninteressant, vor allem weil es bereits BPMN 1.1 kann und eine Validierung anbietet. Da ich bis Ende 2007 bei inubit gearbeitet habe, würde ich auch deren BPM-Suite nennen, auch wenn ich die jetzt natürlich länger nicht mehr benutzt habe.

Wie kann man die BPMN am besten erlernen?
Seminare bei camunda 😉 Wobei wir natürlich nicht die einzigen sind, die das anbieten ;-(
Autodidaktisch gibt es halt die Spec und ein paar White Paper und Folien im Netz.

Haben Sie eine Website oder einen Blog?
www.camunda.com

Sebastian Stein

Bitte stellen Sie sich den Lesern kurz vor
Foto Sebastian SteinIch arbeite bei der IDS Scheer in Saarbrücken und bin dort zum Beispiel für die SOA Modellierungsmethodik verantwortlich. Neben meiner beruflichen Tätigkeit promoviere ich im Bereich Geschäftsprozessmanagement und untersuche z.B., wie sich service-orientierte Architekturen aus fachlicher Sicht beschreiben lassen.

Wofür setzen Sie die BPMN hauptsächlich ein?
Ich vertrete meinen Arbeitgeber bei den Standardisierungsorganisationen OMG und OASIS. Deshalb verfolge ich natürlich die BPMN sehr stark, da es sicher momentan einer der wichtigsten Standardisierungsvorhaben ist.

Für welche Anwendungszwecke eignet sie sich gut, für welche weniger?
Momentan hat die BPMN noch einen sehr starken Fokus auf ausführbaren bzw.
technischen Geschäftsprozessen. Zum heutigen Zeitpunkt ist sie noch nicht so gut für die rein fachlichen Prozesse geeignet, auch wenn man schon heute solche Prozesse damit beschreiben kann.

Was gefällt Ihnen besonders gut an der BPMN?
Mir persönlich gefällt, dass die BPMN ein Standard ist und sie eine breite Unterstützung sowohl von Herstellerseite als auch von den Nutzern und unabhängigen Trainern hat. Die BPMN ist in ihren Grundzügen leicht erlernbar und erlaubt damit einen schnellen Einstieg in die Prozessmodellierung.

Was missfällt oder fehlt Ihnen bei der BPMN?
Trotz ihrer Einfachheit hat die BPMN trotzdem sehr viele Konstrukte, die für 90% der Anwender sicher ungeeignet sind. Es gibt eine Unzahl von Attributen.
Auch die ausufernde Zahl von Ereignissen ist nicht unbedingt im Sinne der Einfachheit. Deshalb sollte bei einer Weiterentwicklung der BPMN darauf geachtet werden, die BPMN nicht mit noch mehr Konstrukten zu erweitern, sondern sie noch einfacher zu machen.

Welches(s) Tool(s) setzen Sie bei der BPMN-Modellierung ein?
Da ich bei einem Werkzeughersteller arbeite, setze ich natürlich dessen Werkzeug, den ARIS Business Architect, ein.

Wie kann man die BPMN am besten erlernen?
Man sollte sich einen kurzen theoretischen Überblick verschaffen und dann versuchen selbst einen Prozess zu modellieren. Dabei spielt es keine primäre Rolle, ob es ein Prozess aus dem Berufsalltag ist oder der Prozess die einzelnen Schritte zur Organisation der nächsten Vereinsfeier beschreibt.
Man wird relativ schnell merken, dass das Schwierige nicht das Erlernen von BPMN ist, sondern die Prozessmodellierung allgemein.

Haben Sie eine Website oder einen Blog?
Ich habe meinen privaten „Promotionsblog“ http://sebstein.hpfsc.de/, auf dem ich über meine Promotion und über aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse rund um BPM und SOA berichte.
Daneben bin ich auch als Blogger auf dem „ARIS BPM Blog“ http://www.arisblog.com/ aktiv, der gerade vor ein paar Tagen gestartet ist.

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