Buch zum Business Modeling

2. Juni 2010

Warum soll man in einem Unternehmen modellieren? Bridgeland und Zahavi nennen in ihrem Buch „Business Modeling. A Practical Guide to Realizing Business Value“ insgesamt acht Einsatzmöglichkeiten für Unternehmensmodelle. So können Modelle dazu dienen, Inhalte zu kommunizieren, Mitarbeiter auszubilden und vom Nutzen geplanter Maßnahmen zu überzeugen. Somit können sie ein wichtiges Element des Wissensmanagements sein.  Weiterhin dienen Modelle als Grundlage für Analysen, für die Erfüllung von Compliance-Anforderungen und zur Spezifikation von Anforderungen an die Software-Entwicklung. Schließlich lassen sich manche Modelle auch direkt durch eine geeignete Engine ausführen.

Die Autoren teilen das Thema „Business Modeling“ in vier Disziplinen auf:

  1. Business Motivation: Dies umfasst die Modellierung und Strukturierung von Unternehmenszielen und von Maßnahmen um diese Ziele zu erreichen. Hierbei orientieren sich die Autoren am Business Motivation Model (BMM) der OMG.
  2. Business Organization: Hierbei handelt es sich um die Aufbauorganisation sowie das Partnernetzwerk eines Unternehmens. Dabei werden auch die wichtigsten Interaktionen zwischen den Organisationseinheiten und mit den externen Partnern dargestellt.
  3. Business Processes: Die Geschäftsprozesse werden mit BPMN modelliert.
  4. Business Rules: Mit Geschäftsregelmodellen werden gesetzliche Regeln, Richtlinien und sonstige Rahmenbedingungen für die geschäftliche Tätigkeit abgebildet.

Jede dieser vier Disziplinen wird in einem eigenen Kapitel ausführlich erläutert. Die Anwendung wird anhand eines durchgehenden Fallbeispiels illustriert, bei dem eine fiktive Restaurantkette betrachtet wird. Dabei wird auch erläutert, wie die Modelle der verschiedenen Disziplinen zusammenspielen. Zwar finden sich in der Praxis bisher meist nur Geschäftsprozessmodelle sowie Organigramme in Form von Modellen, doch Bridgeland und Zahavi plädieren dafür, alle vier Disziplinen gleichermaßen zu berücksichtigen und explizit zu modellieren. Allerdings existiert lediglich für die Prozessmodellierung eine anerkannte Notation. So werden im Buch für Business Motivation-Modelle und Organisationsmodelle eigene Darstellungen verwendet. Geschäftsregeln werden textuell beschrieben. Eine durchgängige Toolunterstützung für die beschriebene Kombination von Notationen findet man derzeit nicht.

Für alle Modelle von Bedeutung sind die Ausführungen darüber, was ein gutes Modell ausmacht. Als beste Vorgehensweise zur Entwicklung der Modelle werden Modellierungsworkshops empfohlen. Die Vorbereitung und Durchführung solcher Workshops werden ausführlich erläutert. Schließlich wird erklärt, wie Modelle analysiert, simuliert sowie direkt ausgeführt werden können.

Es lässt sich sicherlich über die Auswahl der vier Modellierungsdiszplinen streiten. So dürfte die explizite Modellierung von Unternehmensstrategien nicht überall auf große Begeisterung stoßen – auch wenn es vielerorts nicht schaden würde, die Inhalte der Strategie etwas systematischer zu strukturieren. Auf der anderen Seite fehlt eine Reihe von Aspekten, die häufig modelliert werden, wie z. B. Leistungen, Datenstrukturen oder die Anwendungssystemlandschaft. Insofern wird das Thema „Unternehmensmodellierung“ nicht erschöpfend abgehandelt. Viele der Überlegungen dürften für die meisten Modellierer dennoch hilfreich sein, z. B. zur Verbesserung der Modellqualität oder zur Vorgehensweise bei der Modellierung.


Bridgeland, David M.; Zahavi, Ron:
Business Modeling. A Practical Guide to Realizing Business Value
Morgan Kaufmann 2009.
Das Buch bei amazon.

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