BPMN ganz praktisch auf dem Anwendertag in Potsdam

30. September 2011

Eigentlich zieht einen das herrliche Spätsommerwetter nach draußen in die schöne Seen-Landschaft hier in Potsdam. Dennoch ist das Interesse der Teilnehmer auch am zweiten Tag der BPMN-Anwendertagung am Hasso Plattner-Institut unverändert groß. An dieser Stelle möchte ich nicht auf alle Beiträge im Detail eingehen. Die Folien und Videomitschnitte werden auch in diesem Jahr wieder auf der Homepage der Veranstaltung zur Verfügung gestellt. Daher nur eine kleine Sammlung von Beobachtungen, die mir interessant erscheinen:

  • Das Interesse an BPMN ist nach wie vor groß, und zwar nicht nur in der Wissenschaft und den Medien, sondern vor allem in der Praxis.
  • Die Anwender berichten von ganz konkreten Vorteilen der BPMN als Notation. In einem vorgestellten Fall wurden daher vorhandene Modelle von UML nach BPMN übertragen, was zu einer wesentlich verbesserten Akzeptanz führte.
  • BPMN wird mittlerweile auf wirklich allen Ebenen eingesetzt: Von der Prozesslandkarte über fachliche und ausführbare Prozessmodelle bis hin zur Detailspezifikation einzelner Services. In einem gezeigten Beispiel wurden z. B. auch Geschäftsregeln mit BPMN modelliert. Über Folgen von Verzweigungen werden Entscheidungsbäume dargestellt. Die Umsetzung erfolgt dann aber natürlich nicht über ein BPMS, sondern in einem Business Rules Management System.
  • Die Komplexität der Notation und die Vielzahl der Notationselemente ist nach wie vor ein Problem für viele Modellierer. In einem Experiment konnte gezeigt werden, dass BPMN-Modelle zwar vergleichsweise kompakt und korrekt sind, aber oftmals nicht alle Aspekte modelliert werden. So wurden häufig auch solche Inhalte weg gelassen, für die es spezielle BPMN-Elemente gibt, wie z. B. über Timer-Events darstellbare zeitliche Restriktionen.
  • Insbesondere die fachliche Modellierung erfordert eine deutliche Einschränkung der verwendeten Symbolpalette und geeignete Modellierungskonventionen. Fachliche Modellierer modellieren aber nicht nur Flowcharts. In mehreren Vorträgen wurden Kollaborationsmodelle vorgestellt, meist zur Einbindung von Kunden und Geschäftspartnern.
  • Eine weitere Herausforderung stellt die Modellierung auf verschiedenen Ebenen und die Verbindung zwischen diesen Ebenen dar. Z. T. werden auf den höheren Ebenen andere Notationen verwendet, wie z. B. Wertschöpfungsketten für Prozesslandkarten oder auch EPKs für fachliche Modelle. Setzt man BPMN auf höheren Ebenen ein, so stößt man auf eine Reihe von Problemen. Die strikte Token-Semantik der BPMN erfordert zu viele Details für Prozesslandkarten und Übersichtsmodelle. Auch die Hierarchie-Beziehungen entsprechen oft nicht dem BPMN-Unterprozess-Konzept. Einige Anwender nutzen BPMN bereits auf der Unternehmensebene und nehmen dabei bewusst in Kauf, dass es sich bei den Grobmodellen nicht um korrekte BPMN-Modelle handelt. Der Vorteil ist, dass dieselben Symbole auf allen Modellebenen verwendet werden und der Wiedererkennungswert höher ist.
  • In fast allen Projekten werden BPMN-Modelle mit anderen Modellen verknüpft, zumeist mit Organigrammen und Klassenmodellen oder anderen UML-Modellen. Für diese Verknüpfungen gibt es unterschiedliche Ansätze – oft auch bestimmt durch die Möglichkeiten des jeweils verwendeten Tools.
  • Es wurde eine Reihe von recht komplexen SOA-Implementierungen vorgestellt, in denen BPMN und Process Engines eine zentrale Rolle spielen. Zumeist wird ein ganzes Portfolio verschiedener Standardkomponenten – sowohl kommerziell als auch Open Source – eingesetzt, ergänzt durch einen beträchtlichen Anteil an Eigenentwicklungen.

Das Foto oben zeigt Jan Mendling von der Wirtschaftsuniversität Wien beim Eröffnungsvortrag über aktuelle Forschungen zu BPMN. U. a. zeigte er einen ziemlich coolen Prototyp zur Generierung von Prozessmodellen aus freien Textbeschreibungen, der zusammen mit Inubit entwickelt wurde.

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