Perspektiven des Veränderungsmanagements

25. März 2014

Cover Change-Prozesse erfolgreich gestaltenUm die Veränderungskompetenz des Managements ist es in vielen Firmen nicht gut bestellt. In einer Studie trauten 70 Prozent der Befragten ihrem Management nicht zu, ein attraktives Zukunftsbild zu vermitteln. Das ist erschreckend, denn schließlich sind Unternehmen im digitalen Zeitalter mehr denn je darauf angewiesen, sich schnell an geänderte Herausforderungen anzupassen sowie neue Geschäftsmodelle und Prozesse umzusetzen. Für das Gelingen von Veränderungsmaßnahmen gibt es kein allgemein gültiges Patentrezept – wohl aber viele Erfahrungen und praxiserprobte Ansätze, die in konkreten Unternehmenssituationen erfolgreich waren. Das vorliegende Buch enthält insgesamt dreizehn Beiträge, die verschiedene Themenstellungen und Konzepte des Veränderungsmanagements beleuchten. Bei den Autoren handelt es sich sämtlich um praxiserfahrene Berater, die sich im „Q-Pool 100“ organisiert haben, der „Offiziellen Qualitätsgemeinschaft internationaler Wirtschaftstrainer und -berater“.

Das von den Beiträgen abgedeckte Spektrum ist sehr breit. Es reicht von der Wachstumbewältigung eines Internet-Startups bis zur Unternehmensnachfolge, vom Innovationsmanagement bis zur Teamentwicklung, von der Führungskompetenz-Entwicklung bis zur Gestaltung des Change-Prozesses.

Beispielhaft seien zwei Beiträge herausgegriffen. So erläutert Wolfgang Müller das „go-i-Prinzip“ der fairen Change-Kommunikation. „Go-i“ bezeichnet das im japanischen Denken verwurzelte Streben nach Konsens. Häufig wird ein Kompromiss geschlossen, wenn die verschiedenen Beteiligten unterschiedliche Interessen und Ziele haben. Ein Kompromiss bedeutet jedoch, dass keiner bekommt, was er eigentlich will. Beim go-i-Prinzip versucht man hingegen, einen echten Konsens zu finden, bei dem alle Beteiligten ihre Ziele erreichen. Als Voraussetzung hierzu muss man sich im ersten Schritt seiner eigenen Ziele wirklich klar werden. Im zweiten Schritt geht es darum, die Ziele seines Gegenübers zu verstehen. Dann kann man im dritten Schritt eine Konsens-Lösung entwickeln, die im vierten Schritt verbindlich vereinbart und umgesetzt wird. Müller illustriert anhand der Standortverlagerung eines Werkes, wie solche Konsens-Lösungen mit Mitarbeitern aussehen können, die einen Umzug ablehnen. So wurde für eine engagierte Mitarbeitern die Möglichkeit gefunden, sich mit einigen Kollegen am bisherigen Standort selbstständig zu machen und künftig als Zulieferer für das Unternehmen zu arbeiten.

Ursula Vranken beschreibt in ihrem Beitrag die typischen Phasen, die ein Start Up-Unternehmen von der Gründung bis zum Wachstum und der Expansion in andere Länder durchläuft. Welche unterschiedlichen Herausforderungen sich in jeder Phase stellen, beschreibt sie anhand der Entwicklung, die die Domainhandelsbörse Sedo durchlaufen hat. Schließlich werden zu jeder Phase Ratschläge und Tipps für das Personalmanagement gegeben.

Generell zeichnen sich die meisten Beiträge durch zahlreiche Praxisbeispiele und konkrete Handlungsempfehlungen aus. Zwar finden sich auch eher grundlegende Überlegungen zur Unternehmenskultur bis hin zur – freilich im weiteren Sinne aufgefassten – Spiritualität, doch werden gerade auch zu den eher „weichen“ Themen, wie Führungskompetenz oder Kommunikation, viele handfeste Empfehlungen gegeben. An einigen Stellen schimmern Werbebotschaften der allesamt als Berater tätigen Autoren durch, doch überwiegen zumeist die nutzbringenden Inhalte. Unter den zahlreichen Facetten des Themas Change Managements, die das Buch aufzeigt, dürften auch erfahrene Veränderungsmanager noch neue Anregungen gewinnen.


Dieter Hohl (Hrsg.):
Change-Prozesse erfolgreich gestalten.
Menschen bewegen – Unternehmen verändern
Haufe 2012
Zur Bestellung beim Verlag

Kategorie: Bücher, Change Management Kommentare deaktiviert für Perspektiven des Veränderungsmanagements

Vorheriger Beitrag: IT-Systeme integrieren
Nächster Beitrag: Use Cases werden nach wie vor häufig eingesetzt

Kommentarfunktion ist deaktiviert.