BPMN-Tools schwächeln bei der Unternehmensmodellierung – Studie zum Download

2. Dezember 2014

BPMN-Verknuepfbare Diagramme ThumbnailDie meisten Modellierungstools haben zumindest den größten Teil des BPMN-Standards umgesetzt, so dass sie sich hinsichtlich der Prozessmodellierung nicht mehr stark unterscheiden. Sehr große Unterschiede gibt es aber bei der Verknüpfung von BPMN-Modellen mit anderen Modellen, wie z. B. Organigrammen, Datenmodellen oder IT-Landschaften.

Da die Prozesse eines Unternehmens nicht isoliert stehen, ist es für ein konsequentes Prozessmanagement unerlässlich, das Zusammenspiel mit anderen Aspekten des Unternehmens zu betrachten. Ansätze zur integrierten Unternehmensmodellierung und zum Enterprise Architecture Management (EAM) streben daher eine Verknüpfung der unterschiedlichen Modelle an. Jedes Modell stellt darin eine Sicht auf ein integriertes Gesamtmodell dar. Werden die Geschäftsprozesse in BPMN modelliert, so muss man entscheiden, wie man sie methodisch sinnvoll mit anderen Modellen verknüpft. Weil dies nicht vom BPMN-Standard geregelt wird, haben sich in der Praxis ganz unterschiedliche Verknüpfungen zwischen BPMN-Modellen, Organigrammen, Strategiemodellen usw. herausgebildet.

Für die vorliegende Studie habe ich zum einen Integrationsansätze aus der wissenschaftlichen Literatur ausgewertet und zum anderen insgesamt 13 Modellierungswerkzeuge auf Verknüpfungs- und Erweiterungsmöglichkeiten für BPMN-Modelle untersucht. Wie sich herausstellte, spielt das Thema in der Wissenschaft keine große Rolle. Zwar haben eine ganze Reihe von Forschern spezielle BPMN-Erweiterungen entwickelt, doch nur selten wurde die Verknüpfung mit Modellen anderer Sichten untersucht. Wesentlich ergiebiger war die Analyse der Modellierungswerkzeuge. Hierbei wurden sowohl fachlich ausgerichtete Modellierungplattformen einbezogen (auch als Business Process Analysis- oder BPA-Tools bezeichnet), als auch Modellierungstools aus der Software-Entwicklung und Modellierungskomponenten von Business Process Management-Systemen (BPMS) zur Prozessausführung.

Es stellte sich heraus, dass die Möglichkeiten zur Methodenintegration sehr unterschiedlich sind und oft nur wenige Aspekte abgedeckt werden. So gibt es eine gewisse Grundmenge von Aspekten, die häufig mit BPMN-Modellen verknüpfbar sind. In jeweils mindestens sechs der 13 Tools kann man die Prozessmodelle mit Prozesslandkarten, Daten, IT-Systemen, Risiken oder der Aufbauorganisation verknüpfen. Jedoch gibt es kaum ein System, das zumindest diese fünf Aspekte in einem einzigen Tool abdeckt. Zudem werden dieselben Aspekte in unterschiedlichen Tools methodisch ganz unterschiedlich abgebildet und verknüpft. Es zeigt sich eine bunte Methodenvielfalt, die für den Anwender schwer zu durchschauen ist. Werben beispielsweise zwei Tools damit, dass man BPMN-Modelle mit Aufbauorganisation, Datenstrukturen und IT-Landschaften verknüpfen kann, kann man keinesfalls davon ausgehen, dass das tatsächlich angebotene Set an Methoden gleich mächtig ist.

Bei einigen umfangreichen Modellierungsplattformen verwundert die eher schwach ausgefallene Integration von BPMN-Diagrammen und anderen Modelltypen. Verbindungen sind z. T. sehr umständlich über eigenständige Zuordnungsdiagramme vorzunehmen. Auch die Erweiterungsmöglichkeiten der BPMN, z. B. um zusätzliche Artefakte, werden nur wenig genutzt. Mit wenigen Ausnahmen ist zudem die Dokumentation der Modellintegration dürftig und lückenhaft. Aufgrund der Heterogenität der angebotenen Methoden ist die Entscheidung für ein bestimmtes Tool zugleich die Entscheidung für eine bestimmte Methodik.

Von daher wäre es wünschenswert, dass sich sowohl Wissenschaftler als auch Standardisierungsorganisationen stärker mit der Integration von Modellen verschiedener Standards befassten. Toolhersteller sind dazu aufgerufen, ihr Methodenportfolio im Zusammenspiel mit BPMN kritisch zu durchleuchten und ggf. häufig benötigte Modelltypen und Verbindungen zu BPMN-Modellen hinzuzufügen. Anwender sollten im Vorfeld einer Toolauswahl recht genau analysieren, welche Sachverhalte sie über die reine BPMN-Prozessmodellierung hinaus modellieren wollen und welche Verbindungsmöglichkeiten zu anderen Modelltypen sie entsprechend benötigen. Sie sollten sich bewusst sein, dass sie durch die Auswahl eines bestimmten Tools auch eine Festlegung der möglichen Notationen und ihren Verbindungen treffen.

Download der Studie „BPMN-Prozessmodelle und Unternehmensarchitekturen“.

Kategorie: Allgemein, BPMN, Modellierung, Modellierungstools Ein Kommentar »

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Eine Reaktion zu “BPMN-Tools schwächeln bei der Unternehmensmodellierung – Studie zum Download”

  1. FireStart kann beides: Durchgängige fachliche Modellierung und Prozessausführung - Kurze Prozesse

    […] – selbst prominente Modellierungsplattformen weisen hier oftmals Schwächen auf, wie diese Untersuchung zeigt. Der Clou: Bei der Darstellung der Prozessmodelle kann man jederzeit zwischen der Darstellung […]