BPMN 2.0 Handbook

27. Dezember 2010

Cover BPMN 2.0 HandbookZwar ist die Version 2.0 der BPMN (Business Process Model and Notation) immer noch nicht offiziell erschienen, doch hindert das Toolhersteller, Anwender und Forscher nicht, sich bereits intensiv damit auseinanderzusetzen. Aus ganz verschiedenen Perspektiven beleuchten die Beiträge in dem jüngst erschienenen, englischsprachigen Sammelband „BPMN 2.0 Handbook“ die Entwicklung und vor allem auch die Anwendung der Notation.

Ein recht großer Teil der Beiträge befasst sich damit, wie man die BPMN sinnvoll einsetzt und „gute“ Modelle erstellt. Hierzu gehören die Auswahl der verwendeten BPMN-Konstrukte sowie das Aufstellen und Anwenden von Modellierungsregeln und -konventionen. So befasst sich ein Beitrag mit immer wieder anzutreffenden ungünstigen Modellierungspraktiken und damit, wie derartige „schlecht riechende“ Modelle verbessert werden können. In die gleiche Richtung geht auch mein (bereits hier erschienener) Artikel, in dem ich zeige, wie sich ein komplexes, schlecht lesbares BPMN-Modell verbessern lässt. Die Kollegen von camunda beschreiben ein Vorgehen und Prinzipien zum Aufbau von Best Practice Modellierungsrichtlinien. Ein Autorenteam der Firma BOC zeigt, wie sie BPMN-Modelle mit anderen Modellen eines Unternehmens verbinden, z. B. mit Produkten, Organisation, Daten, Risiken, Kontrollen und Informationssystemen.

Dass die BPMN tatsächlich für die Unternehmensmodellierung eingesetzt wird, belegen Praxisbeiträge aus dem amerikanischen Verteidigungsministerium, einer Rüstungsfirma und einer Bank (BNP Paribas). Auch diese Beiträge thematisieren die Auswahl einer handhabbaren Teilmenge der BPMN und das Finden geeigneter Hierarchie-Ebenen und Modellierungskonventionen.

Auch wenn sich die Praxisbeiträge stärker mit der fachlichen Modellierung auseinandersetzen, gibt es dennoch auch einige sehr interessante Artikel, die sich mit der Umsetzung von Prozessmodellen in IT-Systeme befassen. So beschreiben Lloyd Dugan and Nataniel Palmer, was es zu beachten gilt um ein BPMN-Modell im Rahmen einer Service Component Architecture (SCA) ausführbar zu machen. Einen etwas anderen Ansatz stellen Marco Brambilla und Stefano Butti dar, die mit dem Tool Webratio komplette Web-Anwendungen generieren. Hierzu muss das Prozessmodell um weitere Aspekte erweitert werden, z. B. um User-Rollen, Datenmodelle und Benutzerdialoge.

Weitere Artikel befassen sich u. a. mit den Neuerungen der BPMN Version 2.0, dem Austausch von Prozessmodellen mit Hilfe des BPMN 2.0-Formats oder der XPDL 2.2, der Modellierung von Workflow-Patterns sowie der Simulation, Analyse und Optimierung.


Fischer, Layna (Hrsg.):
BPMN 2.0 Handbook.
Future Strategies 2011.
Das Buch bei amazon.

>>Mehr Buchvorstellungen zum Thema BPM<<

Kategorie: Allgemein, BPMN, Bücher 2 Kommentare »

Vorheriger Beitrag: Prozessmodelle aus natürlichsprachigen Beschreibungen?
Nächster Beitrag: Buch BPMN 2.0 Distilled

2 Reaktionen zu “BPMN 2.0 Handbook”

  1. Martin Bartonitz

    hm, wenn das Modellieren von Prozessen mit der BPMN doch so schwierig sein kann, dass es dazu Anweisungen und Empfehlungen braucht, wie man es besser machen kann, ist es dann nicht doch nur eine weitere Notation für Spezialisten?
    Auf der anderen Seite braucht es vermutlich Spezialisten und eine Notation, die in der Lage sind und ist, gerade unsere komplexen Prozesse auch zu beschreiben.
    Und zum Glück scheint mir der überwiegende Teil unserer strukturierten Prozesse, die mit BPMN beschriebenen werden können, nicht so komplex, so dass sie auch von den Fachbereichen gelesen werden können.
    Dass der eine oder andere Prozess doch etwas knifflig ist, graphisch darzustellen, werde ich in Kürze auf unserem Blog berichten. Unsere Studentin, die gerade unsere internen Prozesse auf Basis von Word-Dokumenten nun in BPMN beschreibt, hatte damit doch einige Anlaufschwierigkeiten.

  2. Thomas Allweyer

    Ich betrachte eine Notation ähnlich wie eine natürliche Sprache. Wenn man Deutsch kann, so kann man deswegen noch keinen guten Aufsatz oder eine gute Bachelor-Arbeit schreiben. Man muss auch wissen, wie man die Sprache sinnvoll anwendet, wie man verständliche Sätze formuliert, eine Arbeit gliedert usw.

    Insofern muss man sich auch Gedanken machen, wie man BPMN sinnvoll anwendet, d. h. welche Konstrukte man verwendet, wie man bestimmte Sachverhalte abbildet und wie weit man ins Detail geht. In vielen der in dem Buch beschriebenen Fälle geht es genau darum, die BPMN mittels geeigneter Empfehlungen für die Fachbereiche handhabbar zu machen.

    Ich bin gespannt, über die Erfahrungen Ihrer Studentin zu lesen. Möglicherweise stand sie zu Beginn genau vor dem Problem, wenig direkt nutzbare Modellierungsrichtlinien zu haben, so dass sie erst einen geeigneten Modellierungsstil erarbeiten musste.